Was kostet eine Sedcard – und wann ist es Abzocke?

Eine Sedcard kostet so viel wie das Shooting dafür. Woran du faire Preise erkennst, wann Agenturen zu viel verlangen und was Gerichte dazu sagen.

Kurz gesagt: Eine Sedcard selbst kostet fast nichts – teuer ist nur das Shooting für die Fotos. Fair ist ein Shooting, wenn du einen festen Preis, eine feste Bildanzahl und alle Bilder zur freien Eigenwerbung bekommst. Abzocke liegt nahe, wenn eine Agentur dich nur gegen Bezahlung aufnimmt, Pakete mit Jahresgebühr verkauft oder dich am selben Tag zur Unterschrift drängt.

Die Sedcard ist deine Visitenkarte als Model: vier bis sechs Fotos plus deine Maße. Was eine gute Sedcard enthält, steht im Artikel [Deine erste Sedcard](/magazin/erste-sedcard-tipps). Hier geht es um die Frage, was sie kosten darf und wie du unseriöse Angebote erkennst.

Woraus setzen sich die Kosten einer Sedcard zusammen?

Die Kosten einer Sedcard entstehen fast vollständig durch das Fotoshooting. Layout und Druck sind heute Nebensache, weil die meisten Auftraggeber Sedcards digital sehen wollen.

Diese Posten können anfallen:

  • Fotograf: Arbeitszeit, Studio, Technik und Bildbearbeitung.
  • Hair & Make-up: optional, bei Beauty-Bildern sinnvoll.
  • Retusche: pro Bild oder als Paket – für Sedcards sollte sie dezent bleiben.
  • Druck: nur noch selten nötig, etwa für Messen oder Castings vor Ort.

Unser Erfahrungswert: Für ein Sedcard-Shooting bei einem freien Fotografen fallen je nach Region, Umfang und Erfahrung einige hundert Euro an. Belastbare amtliche Durchschnittswerte gibt es nicht. Vergleiche deshalb mindestens drei Angebote mit identischer Leistung.

Brauchst du überhaupt ein bezahltes Shooting?

Für den Einstieg brauchst du nicht zwingend ein bezahltes Shooting. Viele Agenturen und Auftraggeber wollen zuerst Polaroids sehen: unbearbeitete Fotos bei Tageslicht in schlichter Kleidung, die du mit einem Smartphone selbst machen kannst.

Gute Alternativen zum bezahlten Shooting:

  • Polaroids selbst machen als Grundlage jeder Bewerbung.
  • TFP-Shootings mit Fotografen, deren Stil zu deinem Ziel passt – Details im Artikel [TFP-Shootings](/magazin/tfp-shootings-guide-fuer-models).
  • Bilder aus bezahlten Jobs, sofern dein Vertrag die Nutzung für die Eigenwerbung erlaubt.

Ein bezahltes Shooting lohnt sich, wenn du eine klare Lücke schließen willst, etwa professionelle Commercial-Bilder für Werbekunden.

Woran erkennst du ein faires Sedcard-Angebot?

Ein faires Sedcard-Angebot nennt vorab einen Festpreis und eine genaue Leistung. Du weißt vor dem Termin, wie viele bearbeitete Bilder du bekommst, bis wann und in welcher Auflösung.

Checkliste: Das muss im Angebot stehen

1. Gesamtpreis inklusive aller Nebenkosten 2. Dauer des Shootings und Anzahl der Looks 3. Anzahl der bearbeiteten Bilder und Liefertermin 4. Nutzungsrecht für deine Eigenwerbung: Sedcard, Model-Profile, Social Media, Bewerbungen 5. Keine laufenden Gebühren, keine automatische Verlängerung 6. Portfolio des Fotografen mit vergleichbaren Bildern

Fehlt Punkt 4, frag nach. Ohne Nutzungsrecht darfst du die Bilder unter Umständen nicht einmal auf deinem eigenen Profil zeigen.

Wann ist ein Sedcard-Angebot Abzocke?

Ein Sedcard-Angebot ist verdächtig, wenn die Agentur ihr Geld mit dir verdient und nicht mit deinen Jobs. Seriöse Agenturen leben von der Provision auf gebuchte Aufträge.

Diese Muster solltest du kennen:

  • Aufnahme nur gegen Shooting: „Wir nehmen dich auf, aber nur mit Bildern von unserem Fotografen.“
  • Pakete mit Jahresgebühr für Fotos plus Eintrag auf einer Website.
  • Ansprache auf der Straße mit Komplimenten und Einladung zum „kostenlosen“ Testshooting, bei dem erst vor Ort ein Vertrag auftaucht.
  • Unterschrift am selben Tag unter Zeitdruck.
  • Unklare Bildlieferung: Du siehst die Fotos erst nach Zahlung oder bekommst nur kleine Dateien.

Die [Stiftung Warentest](https://www.test.de/Modelcasting-Schnell-wieder-raus-aus-teurem-Vertrag-4927139-0/) berichtete 2015 über ein Paket für rund 400 € für fünf Porträtfotos. Nach dem Widerruf verlangte die Firma 90 % des Preises als Wertersatz; das Amtsgericht Halle (Az. 2 C 176/15) senkte den Betrag auf 130 € und hielt mehr als 350 € für die fünf Fotos für zu viel.

> Eine seriöse Agentur verdient an deinen Buchungen, nicht an deinen Fotos.

Hast du ein Widerrufsrecht bei solchen Verträgen?

Als Verbraucherin oder Verbraucher hast du bei vielen solchen Verträgen ein Widerrufsrecht. Das [Landgericht Berlin](https://www.vzbv.de/urteile/auch-auf-der-suche-nach-einem-modeljob-gelten-verbraucherrechte) (Urteil vom 09.08.2022, Az. 15 O 459/20) untersagte einer Firma auf Klage des Verbraucherzentrale Bundesverbands, Verträge über Online-Fotoanzeigen für 675 € als „gewerbliche Daueranzeigenaufträge“ zu bezeichnen. Das Gericht wertete das als irreführend, weil es den falschen Eindruck erwecke, den Betroffenen stünden keine Verbraucherrechte zu.

Ob dein konkreter Vertrag widerrufbar ist, hängt vom Einzelfall ab. Bewahre alle Unterlagen auf und lass dich im Zweifel bei einer Verbraucherzentrale beraten.

Wie lange darf dich eine Agentur binden?

Eine Agentur darf dich nicht unbegrenzt binden. Das Oberlandesgericht Celle hat am 01.04.2021 (Az. 13 U 10/20) eine vorformulierte Bindung von fünf Jahren mit automatischer Verlängerung um jeweils zwei Jahre für unwirksam erklärt, wie [beck-aktuell](https://www.beck-aktuell.de/heute-im-recht/rechtsprechung/olg-celle-langjaehrige-formularmaessige-agenturbindung-eines-models-unwirksam-2021-04-23) berichtet. Das Gericht wies darauf hin, dass der Markt für Models mit zunehmendem Alter enger werde.

Achte vor der Unterschrift auf Laufzeit, Kündigungsfrist und Exklusivität. Mehr zu typischen Klauseln liest du im Artikel [Model-Verträge erklärt](/magazin/model-vertraege-erklaert).

Was machst du, wenn du schon unterschrieben hast?

Wenn du bereits unterschrieben hast, prüfe zuerst die Widerrufsfrist. Bei vielen Verbraucherverträgen beträgt sie 14 Tage, sie kann aber je nach Vertrag und Belehrung abweichen.

So gehst du vor:

1. Vertrag, Belehrung, Rechnung und Nachrichten sammeln. 2. Widerruf schriftlich erklären, am besten per Einschreiben oder E-Mail mit Lesebestätigung. 3. Nicht weiter zahlen, ohne den Vertrag prüfen zu lassen. 4. Verbraucherzentrale oder Anwalt einschalten, wenn die Firma Geld fordert.

Dieser Artikel ist keine Rechtsberatung.

Quellen

  • Stiftung Warentest: [Modelcasting – schnell wieder raus aus teurem Vertrag](https://www.test.de/Modelcasting-Schnell-wieder-raus-aus-teurem-Vertrag-4927139-0/) (20.10.2015)
  • Verbraucherzentrale Bundesverband: [Auch auf der Suche nach einem Modeljob gelten Verbraucherrechte](https://www.vzbv.de/urteile/auch-auf-der-suche-nach-einem-modeljob-gelten-verbraucherrechte) (LG Berlin, 15 O 459/20)
  • beck-aktuell: [OLG Celle: Langjährige formularmäßige Agenturbindung eines Models unwirksam](https://www.beck-aktuell.de/heute-im-recht/rechtsprechung/olg-celle-langjaehrige-formularmaessige-agenturbindung-eines-models-unwirksam-2021-04-23)

Dein nächster Schritt

Dein Profil auf Model.de ist kostenlos – mit Fotos, Videos und deinen Maßen. Lade zuerst aktuelle Polaroids hoch, ergänze nach und nach professionelle Bilder und bewirb dich direkt auf [Jobs](/jobs). So siehst du, welche Bilder Auftraggeber wirklich überzeugen, bevor du Geld in ein Shooting steckst.

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