Fake-Anfragen erkennen: 7 Betrugsmaschen, die Models treffen
Vorkasse, Paket-Jobs, Scheck-Tricks: So erkennst du gefälschte Model-Anfragen schnell – mit den Warnsignalen von Polizei und Verbraucherschützern.
Kurz gesagt: Eine Model-Anfrage ist fast immer unseriös, wenn du vorab Geld zahlen, Pakete annehmen, einen Scheck einlösen, ein Bankkonto per Video-Ident eröffnen oder Nacktbilder schicken sollst. Seriöse Auftraggeber bezahlen dich – nicht umgekehrt. Wer drängt, nur per Messenger kommuniziert und keinen prüfbaren Firmennamen nennt, verdient keine Antwort.
Betrüger nutzen den Wunsch nach dem ersten großen Job. Die Maschen in diesem Artikel stammen aus Warnungen der Polizei Berlin, der Verbraucherzentralen und der Stiftung Warentest. Die gute Nachricht: Fast alle folgen demselben Muster und lassen sich mit wenigen Fragen entlarven.
Woran erkennst du eine gefälschte Model-Anfrage sofort?
Eine gefälschte Model-Anfrage verlangt fast immer eine Leistung von dir, die mit Modeln nichts zu tun hat: Geld, Daten, Pakete oder intime Fotos. Ein echter Auftraggeber will dagegen wissen, ob du an einem bestimmten Tag Zeit hast und was du für den Job berechnest.
Typische Warnsignale in der ersten Nachricht:
- Übertriebenes Honorar für wenig Aufwand, zum Beispiel „2.000 € für zwei Stunden, keine Erfahrung nötig“.
- Zeitdruck: „Wir brauchen bis heute Abend eine Zusage.“
- Kein prüfbarer Absender: kein Firmenname, kein Impressum, keine Website, keine Referenzen.
- Wechsel auf WhatsApp, Telegram oder private Mail gleich in der ersten Nachricht.
- Anfrage nach Ausweiskopie, Steuer-ID oder Kontodaten, bevor überhaupt ein Job feststeht.
Die Polizei Berlin fasst es in ihrer [Warnung vor dubiosen Jobangeboten](https://www.berlin.de/polizei/aufgaben/praevention/betrug/artikel.400419.php) so zusammen: Je verlockender das Angebot, desto kritischer solltest du sein.
Masche 1: Warum solltest du nie für einen Job bezahlen?
Ein Job, für den du vorab bezahlen sollst, ist kein Job, sondern ein Verkauf. Bei der Vorkasse-Masche verlangt der angebliche Kunde eine „Buchungsgebühr“, „Kaution“, „Visagebühr“ oder die Bezahlung eines „Pflicht-Shootings“. Nach der Zahlung meldet sich niemand mehr – oder es folgt die nächste Gebühr.
Seriöse Auftraggeber und Agenturen verdienen am Job, nicht an dir. Wenn eine Agentur Geld für die Aufnahme verlangt, vergleiche vorher die Wege über Agentur und Freelance im Artikel [Agentur oder Freelance?](/magazin/model-agentur-oder-freelance).
Masche 2: Was steckt hinter Paket- und Adress-Anfragen?
Hinter Anfragen, bei denen du Pakete für den Kunden annehmen oder „Produkte zum Testen“ an deine Adresse liefern lassen sollst, steckt häufig die sogenannte Paket- oder Warenagenten-Masche. Laut [Polizei Berlin](https://www.berlin.de/polizei/aufgaben/praevention/betrug/artikel.400419.php) bestellen die Täter mit gestohlenen Kreditkartendaten Ware auf deinen Namen und lassen sie von dir weiterschicken.
Die Folgen tragen am Ende die Paketannehmer: Ermittlungen wegen Betrugs oder Geldwäsche und Forderungen der geschädigten Händler. Im Model-Umfeld tarnt sich die Masche oft als „Influencer-Kooperation“ oder „Produkt-Shooting zu Hause“.
Echte Produkt-Shootings und UGC-Jobs funktionieren anders: Der Auftraggeber schickt dir ein klar benanntes Produkt seiner eigenen Marke, du lieferst Fotos oder Videos, und du schickst nichts an Dritte weiter. Mehr zu seriösen UGC-Jobs findest du im Artikel [UGC & Content Creation](/magazin/ugc-content-creation-fuer-models).
Masche 3: Warum ist ein zu hoher Scheck ein Alarmsignal?
Ein Scheck oder eine Überweisung über mehr als das vereinbarte Honorar ist ein klassischer Betrugstrick. Der „Kunde“ bittet dich, den Überschuss an eine Visagistin, einen Fahrer oder eine Agentur weiterzuleiten. Die [Polizei Berlin erklärt den Ablauf](https://www.berlin.de/polizei/aufgaben/praevention/betrug/artikel.1111869.php): Die Bank schreibt den Betrag zunächst nur unter Vorbehalt gut, die Prüfung kann Wochen dauern, und bei einer Fälschung wird die Gutschrift storniert.
Das Geld, das du weitergeleitet hast, ist dann weg. Die Polizei rät, möglichst keine Schecks anzunehmen und erst dann Geld zu überweisen, wenn die Bank die endgültige Gutschrift bestätigt hat. Für Models gilt eine einfache Regel: Du leitest nie Geld für einen Auftraggeber weiter.
Masche 4: Was ist Job-Scamming mit Video-Ident?
Beim Job-Scamming sollst du dich als „Einstellungstest“ per Video-Ident bei einer Bank oder einem Zahlungsdienst identifizieren. In Wahrheit eröffnest du damit ein Konto auf deinen Namen, das die Täter für Betrug nutzen. Die [Verbraucherzentrale Hamburg](https://www.vzhh.de/themen/einkauf-reise-freizeit/nebenjobs/gefaelschte-stellenanzeigen-seien-sie-vorsichtig-ihren-daten) warnt ausdrücklich davor; die Ermittlungen führen anschließend zu den Opfern, nicht zu den Tätern.
Kein Model-Job verlangt eine Kontoeröffnung. Wer dich dazu auffordert, ist kein Auftraggeber.
Masche 5: Warum verlangt jemand intime Fotos „für das Casting“?
Wer für ein angebliches Casting Nacktfotos, „Bodychecks“ in Unterwäsche oder einen Videocall mit Ausziehen verlangt, will in vielen Fällen erpressen oder Material verbreiten. Diese Form der sexuellen Erpressung heißt Sextortion. Seriöse Castings arbeiten mit Polaroids in enger, schlichter Kleidung – wie das aussieht, zeigt der Artikel über [sichere Arbeit am Set](/magazin/model-safety-schutz-am-set).
Wenn ein Job tatsächlich Dessous, Bademode oder Akt umfasst, steht das vorher in der schriftlichen Ausschreibung, und du entscheidest frei. Druck, Fristen oder Drohungen sind nie Teil eines echten Castings.
Masche 6: Woran erkennst du eine Fake-Agentur auf der Straße?
Bei der Straßen-Masche spricht dich jemand an, macht Komplimente und lädt dich zu einem „kostenlosen Testshooting“ ins Studio ein. Kurz vor dem Shooting liegt dann ein Vertrag auf dem Tisch. Die [Stiftung Warentest berichtete](https://www.test.de/Modelcasting-Schnell-wieder-raus-aus-teurem-Vertrag-4927139-0/) über Pakete für mehrere hundert Euro, etwa 400 € für fünf Porträtfotos und einen Eintrag auf einem Model-Portal.
Unterschreibe nie am selben Tag. Nimm den Vertrag mit nach Hause und lies ihn in Ruhe.
Masche 7: Was tun bei gefälschten Profilen bekannter Marken?
Gefälschte Profile geben sich als Casting-Abteilung bekannter Marken oder als Assistenz bekannter Fotografen aus. Prüfe in diesem Fall den Kontakt über einen zweiten, unabhängigen Weg: Ruf die Telefonnummer aus dem Impressum der offiziellen Website an und frag nach, ob das Casting existiert.
Ein echtes Unternehmen hat kein Problem mit dieser Rückfrage. Ein Betrüger bricht den Kontakt meist an dieser Stelle ab.
Checkliste: Diese 6 Fragen stellst du vor jeder Zusage
1. Wie heißt das Unternehmen, und hat es ein Impressum mit Adresse? 2. Für welches Produkt oder welche Marke ist das Shooting? 3. Wo und wann findet der Termin statt – mit genauer Adresse? 4. Wie hoch ist das Honorar, und wann wird es gezahlt? 5. Welche Nutzungsrechte bekommt der Kunde? 6. Muss ich vorher irgendetwas zahlen, annehmen, weiterleiten oder eröffnen? (Wenn ja: Abbruch.)
> Seriöse Auftraggeber bezahlen dich – du bezahlst nie sie.
Was machst du, wenn du schon reagiert hast?
Wenn du bereits Daten oder Geld geschickt hast, handle sofort. Diese Schritte begrenzen den Schaden:
- Bank informieren, Zahlung wenn möglich zurückholen lassen, Karten sperren.
- Beweise sichern: Screenshots der Nachrichten, Profilnamen, Telefonnummern, Kontodaten.
- Anzeige erstatten bei der Polizei, online über die Internetwache deines Bundeslandes.
- Pakete nicht weiterleiten, sondern die Annahme verweigern oder den Händler informieren.
- Ausweiskopie verschickt? Die Polizei und die Verbraucherzentrale beraten, wie du einen Missbrauch deiner Identität früh erkennst.
Scham ist hier fehl am Platz. Die Täter arbeiten professionell und haben schon viele Menschen getäuscht.
Wie schützt dich Model.de?
Model.de bietet dir mehrere Werkzeuge gegen unseriöse Kontakte. Auftraggeber können sich verifizieren lassen, und verifizierte Profile tragen ein Kennzeichen. In jeder Unterhaltung kannst du Nutzer blockieren und melden; das Moderationsteam prüft jede Meldung.
Halte die Kommunikation bis zur Buchung in den Nachrichten auf Model.de. So bleibt der Verlauf nachvollziehbar, und eine Meldung enthält alle Belege.
Quellen
- Polizei Berlin: [Vorsicht vor dubiosen Jobangeboten als Paket- oder Warenagent](https://www.berlin.de/polizei/aufgaben/praevention/betrug/artikel.400419.php)
- Polizei Berlin: [Vorsicht bei der Annahme von Schecks](https://www.berlin.de/polizei/aufgaben/praevention/betrug/artikel.1111869.php)
- Verbraucherzentrale Hamburg: [Gefälschte Stellenanzeigen](https://www.vzhh.de/themen/einkauf-reise-freizeit/nebenjobs/gefaelschte-stellenanzeigen-seien-sie-vorsichtig-ihren-daten)
- Stiftung Warentest: [Modelcasting – schnell wieder raus aus teurem Vertrag](https://www.test.de/Modelcasting-Schnell-wieder-raus-aus-teurem-Vertrag-4927139-0/) (2015)
Dein nächster Schritt
Leg dein [kostenloses Profil auf Model.de](/models) an, lass dich verifizieren und bewirb dich auf Jobs, bei denen Auftraggeber Honorar und Nutzungsrechte offen angeben. Wenn dir eine Anfrage seltsam vorkommt: Melde sie über die Meldefunktion – auch das schützt andere Models. Weitere Antworten findest du in den [FAQ](/faq).