TFP-Shootings: Wann sie sich für Models wirklich lohnen

TFP klingt nach „kostenlos für alle“ – ist es aber nicht. Wann sich Time-for-Print-Shootings für dein Portfolio rechnen, worauf du achten musst und wann du besser absagst.

TFP-Shootings: Wann sie sich für Models wirklich lohnen

TFP steht für Time for Print (manchmal auch TFCD – Time for CD oder schlicht „auf Tausch"). Du als Model investierst deine Zeit, der Fotograf seine Arbeit und Ausrüstung – bezahlt wird niemand mit Geld, sondern mit den fertigen Bildern. Klingt nach einer Win-win-Situation, kann aber genauso schnell zu verschwendeter Zeit und unbrauchbaren Bildern führen. Hier erfährst du, wann sich TFP wirklich lohnt und woran du seriöse Angebote erkennst.

Wann TFP für dich Sinn ergibt

TFP ist kein Almosen und auch kein "Einstieg um jeden Preis". Es ist ein fairer Tausch unter Kreativen, der genau dann funktioniert, wenn beide Seiten etwas davon haben. Folgende Situationen sind klassische TFP-Fälle:

  • Du baust dein Portfolio neu auf und brauchst frische Bilder in einem bestimmten Stil (Beauty, Editorial, Fashion, Fitness …).
  • Du willst einen Look testen, den du in deiner Sedcard noch nicht zeigst – etwa eine neue Haarfarbe, eine andere Stilrichtung oder dein erstes Bewegtbild.
  • Du möchtest mit einem konkreten Fotografen arbeiten, dessen Bildsprache perfekt zu deinem Ziel passt.
  • Ein Team aus MUA, Stylist und Fotograf möchte ein gemeinsames Projekt umsetzen, von dem alle Beteiligten profitieren.

Faustregel: TFP lohnt sich, wenn die Bilder am Ende mindestens so gut sind wie die besten Aufnahmen in deinem aktuellen Portfolio – oder einen Bereich abdecken, den du sonst nicht zeigen kannst.

Wann du besser absagst

Nicht jede Anfrage mit dem Stichwort „TFP" ist seriös. Diese roten Flaggen solltest du kennen:

  • Kein sichtbares Portfolio des Fotografen oder nur Bilder in komplett anderem Stil als das, was er mit dir vorhat.
  • Druck auf Nude- oder Aktaufnahmen, obwohl du das nie angeboten hast.
  • „Wir besprechen alles vor Ort" – seriöse Shootings haben ein schriftliches Briefing.
  • Keine Begleitperson erlaubt oder ungewöhnliche Locations (Privatwohnungen ohne Studio-Setup, abgelegene Orte ohne Adresse).
  • Vage Aussagen zur Bildlieferung („Du bekommst dann mal was, wenn ich Zeit habe").
  • Kommerzielle Nutzung durch eine Firma oder Marke – sobald jemand mit den Bildern Geld verdient, ist es kein TFP mehr, sondern ein bezahlter Job.

Wenn auch nur ein Punkt zutrifft: höflich absagen und weitergehen. Es gibt genug professionelle Fotografen, die TFP wirklich fair gestalten.

Was ein gutes TFP-Briefing enthält

Bevor du zusagst, sollte folgendes schriftlich (E-Mail oder Nachricht reicht) geklärt sein:

1. Konzept & Stimmung – Moodboard, Referenzbilder, gewünschter Stil. 2. Outfits & Styling – wer bringt was mit, gibt es einen Stylisten oder MUA? 3. Location & Zeitraum – Adresse, Dauer, Pausen, Verpflegung. 4. Bildlieferung – wie viele bearbeitete Bilder, in welcher Auflösung, bis wann (z. B. „mindestens 10 retuschierte Bilder in 4 Wochen"). 5. Nutzungsrechte – beide Seiten dürfen die Bilder typischerweise für eigene Portfolio- und Social-Media-Zwecke verwenden, nicht für Werbung Dritter oder Stockverkauf. 6. Model Release – wird üblicherweise unterschrieben, sollte aber Nutzung und Veröffentlichungsorte konkret benennen.

Ein Satz wie „Die Bilder dürfen ausschließlich für die Eigenwerbung von Model und Fotograf (Portfolio, Sedcard, Social Media) genutzt werden. Jede kommerzielle Weitergabe an Dritte bedarf der schriftlichen Zustimmung des Models." gehört in jeden TFP-Vertrag.

So holst du das Maximum aus einem TFP-Shooting

  • Bereite dich vor wie für einen bezahlten Job: ausgeschlafen, gepflegt, pünktlich, Outfits gebügelt.
  • Bring eine Begleitperson mit, gerade bei ersten Shootings mit unbekannten Fotografen – das ist Standard und sollte nie ein Problem sein.
  • Mach dir eine Shotlist: 3–5 konkrete Bildideen, die du am Ende in deinem Portfolio haben willst.
  • Frag aktiv nach Feedback und schau zwischendurch auf den Monitor, ob die Posen funktionieren.
  • Halte die Vereinbarung schriftlich fest – auch wenn es freundschaftlich wirkt.
  • Bedanke dich nach der Bildlieferung und verlinke den Fotografen bei Social-Media-Posts. Gute Zusammenarbeit spricht sich herum.

TFP vs. bezahlter Job – die klare Grenze

Sobald eine Marke, ein Online-Shop, eine Agentur oder ein Unternehmen die Bilder nutzt – auch nur für die eigene Website oder Social-Media-Kanäle – ist es kein TFP, sondern ein kommerzieller Job. Dann hast du Anspruch auf ein Honorar und auf separate Nutzungsrechte. Wer dir in so einer Situation TFP anbietet, will sparen – auf deine Kosten.

Merksatz: TFP ist Kunst, nicht Werbung. Sobald jemand mit deinem Gesicht ein Produkt verkauft, gehört dafür ein Vertrag und ein Honorar auf den Tisch.

Fazit

TFP kann ein echter Karrierebooster sein – wenn die Chemie stimmt, das Konzept überzeugt und die Rahmenbedingungen schriftlich geklärt sind. Sei wählerisch, vertrau deinem Bauchgefühl und behandle deine Zeit als das, was sie ist: dein wichtigstes Kapital. Ein gutes TFP-Shooting im Halbjahr bringt dich weiter als zehn mittelmäßige.

Wenn du auf model.de TFP-bereit bist, kannst du das in deinem Profil hinterlegen – so finden dich Fotografen, die genau diese Art der Zusammenarbeit suchen.

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